Obwohl ich schon seit 2 Jahren nicht mehr in Dresden studiere, leben doch die schönen, hier erlebten Erfahrungen noch heute in meinen Erinnerungen, meinem Herzen und nicht zuletzt auch in meinen Beinen. Ich möchte jetzt mit euch ein Paar Erlebnisse von damaligen “dolce vita” teilen.

Als Student der Politikwissenschaft im ersten Jahr meines Magisterstudiengangs an der Karlsuniversität in Prag kam ich Anfang April 2007 nach “Florenz an der Elbe”, um hier mein Fach (im Fokus auf die Fragen der politischen Philosophie) an der TU ein Semester zu studieren. Solche Möglichkeit wurde mir dank dem Stipendium von GFPS (Gemeinschaft für studentischen Austausch in Mittel- und Osteuropa) vermittelt und ich bin wirklich dankbar für diese besondere und tolle Gelegenheit.
Die wichtigste Rolle dafür, warum ich gerade als Studienort Dresden ausgewählt habe, spielte zweifellos eine “durch und durch positive” Erfahrung, die ich früher im Zusammenhang mit dem “kleinsten slawischen Volk” – Lausitzer Sorben – in Sachsen gemacht habe. Während der Sommerferien A.D. 2006 habe ich an einer Deutsch-Sorbisch-Tschechischen Medienwerkstatt in Bautzen (SAEK) teilgenommen. Dank dieser wertvollen und authentischen Erfahrung habe ich die lausitzsorbische Problematik besser kennen gelernt. Seit dieser Zeit war meine Entscheidung ganz klar – ich möchte gern in diesen besonderen Teil Deutschlands zurückkehren, um meine begonnene wissenschaftliche Arbeit über die gegenwärtige Rolle der lausitzsorbischen Identität in Dresden, Bautzen und der näheren Umgebung zu beenden.
Ich muss noch einmal hervorheben, dass ich bis heute ganz begeistert von dieser Entscheidung bin. Dresden ist im Vergleich zu Prag, wo ich früher an der Karlsuniversität studierte, eine ruhigere, kleinere Stadt mit schöner Architektur, interessanter Geschichte und ohne all diese Millionen von (nicht nur) japanischen Touristen. Dank dieser sympathischen Stadtgröße war alles für mich in der Nähe und ich benutzte mein Fahrrad – d.h. das schnellste städtische Verkehrsmittel – so oft wie möglich. Deshalb konnte ich auch viel mehr Aktionen, Seminare, Vorlesungen und andere Sachen schaffen, als ich es in Prag könnte.
Ich wollte aber nicht die ganze Zeit auf dem Stuhl in der Klasse verbringen, weil ich auch Bewegung und Sport sehr mag. Deshalb habe ich mich für 7 Sportarten bzw. Tänze eingeschrieben. Darunter waren – Ultimate Frisbee, Schach, Lacrosse, Fußball, Karibische Tänze, Salsa und Irish Dance. Im letzten Fall erwartete ich “echte irische Männer” …aber ich war dort jeden Montag allein mit 16 Mädchen gewesen – einerseits bedeutete es mir immer etwas ganz Besonderes, andererseits war diese männliche und weibliche Diskrepanz wirklich zu hoch. Auf jeden Fall habe ich nur beste Erfahrungen mit diesem “beweglichen Lebenslauf” gemacht und viele wunderbare Menschen dabei kennen gelernt.
Ich versuchte auch auf meinem Fahrrad, nicht nur in Dresden und näherer Umgebung zu sitzen, sondern ich wollte auch ein bisschen weiter fahren. Durch Fahrradreisen durch Sachsen, Brandenburg und auch mein “Projektgebiet” Lausitz habe ich diese Region besser kennen gelernt. Deshalb bin ich z. B. über das lausitzsorbische Cottbus (Chotebuz) nach Frankfurt (an der Oder) zu den GFPS-Städtetagen Rad gefahren. Als ich aber aus Dresden nach Prag fuhr, wollte ich vielleicht zuviel an einem Tag schaffen. Deswegen hatte ich nach einem wirklich starken Sturm mit meinem Fahrrad einen kleinen Unfall (in Litomerice/Leitmeritz – 60 Kilometer nördlich von Prag) und ich musste meine “Pfingstenreise” mit dem Zug beenden. Wahrscheinlich aber brauchte schon mein zu hohes männliches Ego diese Belehrung?
Als ich aber mit meinem Fahrrad zurück aus Berlin nach Dresden gefahren bin, habe ich vielmehr positive Erfahrungen gemacht. Es war am ersten Mai genau nach dem Hexenfeuer und deshalb waren alle Geschäfte geschlossen. Die Sonne schien hell, die Vögel sangen schön und ich hatte schon etwa nach der Hälfte meiner Reise gar nichts mehr zum Essen (Wasser in meiner Plastikflasche nahm ich immer in dörflichen Friedhöfen). Die Schicksalsfügung funktioniert aber zum Glück immer, wenn man es wirklich braucht. So kam ich in ein schönes kleines Dorf mit dem Namen Frankena, wo die Lokalbewohner gerade auf dem Dorfplatz noch den ersten Mai gefeiert haben. Ich war sofort herzlich zum gemeinsamen Tisch eingeladen und dann habe ich noch etwa 3 Stunden mit diesen netten Leuten aus Brandenburg gesessen und viel, viel und noch viel mehr getrunken und gegessen. Als ich schon nach Dresden aufbrechen wollte, sagten sie zu mir: “Anfang Juni feiern wir hier das 100-jährige Jubiläum eines der Höfe. Du musst unbedingt wieder hierher kommen!” Wir verbrachten dort ein wunderbares Wochenende. Meine besten Freunde aus Dresden waren auch dabei – Banjospieler John DePriest aus Nashville, Tennessee und Germanistikstudent Jian Tan (so genannter “Gottfried”) aus China. Wir waren 4 junge Studenten aus 4 Kontinenten (in Frankena lebte noch ein Brasilianer Luciano, der ein Pilot bei Lufthansa werden wollte), aber trotzdem haben wir uns mit allen lokalen dörflichen Leuten toll und wunderbar verstanden und wir freuen uns sehr auf das nächste Mal, wenn wir wieder in dieses kleine Dorf (etwa 80 Kilometer von Dresden) fahren werden – nicht nur John, Gottfried und ich.
Ich könnte noch fast endlos auf diese Art und Weise weiterschreiben. Aber das Beste für jetzt wäre, meinen kurzen Erfahrungsbericht mit dem letzten Wunsch zu beenden. Genieß Dresden und Sachsen in allen wertvollen Zügen! Wenn Du in Elbflorenz noch nicht studierst, dann wartet Dein bester Zug gerade jetzt auf Dich. (Sonst würdest Du nur “Bahnhof” vom echten und durchlebenswerten studentischen Leben verstehen!)